Eine schlimme Nachricht über Tod, Krankheit oder Verlust macht, dass du „mitleidest“….

Mitleiden hat (meistens) mit eigenem unverarbeitetem Schmerz zu tun!

Vor 5 Wochen erlebte ich sowas: Das sms meiner Tochter mit der Medienmitteilung: „54-jähriger Chauffeur beim Abladen des LKWs von Glasplatte erdrückt“, hat mich voll umgehauen. Es handelt sich um den Ehemann meiner Ex-Schwägerin. Eine Familie, wie die meine, mit 3 Jungs im Alter meiner Kinder…….ich bin geschockt!

Ich lese das sms nochmals – Gedanken stürzen auf mich ein – Erinnerungen an den Schicksalsschlag vor 8 Jahren: Mein Mann erliegt einer Hirnblutung und wird in den Spital eingeliefert, Halbseitenlähmung, Sprachverlust und 4 Wochen künstliches Koma – ohne Vorwarnung schlägt das Unglück zu. Ja, ich kenne das.  Ja, ich kann mir einiges vorstellen, wie es der Ehefrau geht, die Kinder (wenn auch erwachsen) – diese Familie verliert den Mann und den Papa!

Es nimmt mir den atmen, ich fühle mich leer – ich bin mitten in einem Kurzvortrag über Online-Werbeplattform. Meine gut antrainierten Überlebensmechanismen kann ich aktivieren: ich klopfe mir unauffällig Meridianpunkt, weil ich weiss, dass diese den Schock lindern.
20 Minuten später sitze ich in meinem Auto und rufe meine (Coaching-)Freundin an, einfach um „es raus zu lassen“: das Gefangene, die Spannung, der Schmerz, der in meinem ganzen Körper sitzt.

Ich klage am Telefon, wie leid es mir für die Ehefrau tut, wie schlimm es für die Kinder sein muss, wie gross der Abgrund ist, der einem verschlingt!

……meine Freundin ist ganz präsent mit einer sanften Stimme sie hört meinem zusammenhangslosen Reden voller Empathie zu. Sie spürt meine Ohnmacht und sagt: „Alles was du dieser Frau sagen möchtest, sag es zu dir selbst, sag es zu der Frau, die funktioniert hat, als dein Mann im Spital lag und du alles „zurück-gehalten“ hast, für deine Kinder stark warst, wo du dir nicht erlaubt hast zu weinen, zu schreien, zu fühlen……….vieles hast du schon angeschaut und transformiert, doch diese unterdrückten Gefühle von den ersten Tagen, liegen noch schmerzvoll in dir. Fühle sie heute. Sei mitfühlend mit deinem eigenen verletzten und geschockten Anteil von damals.
Fühl dich umarmt von mir, ich bin bei dir!“
Jetzt fliessen erlösende, heilende Tränen, ich spüre wie ich aufweiche und den grossen überwältigenden Schmerz freilassen kann!
Anschliessend ging ich im Dunkeln spazieren, mein Ziel war der Wald mit dem rauschenden Bach – ich wollte zu meinem Schrei-Ritual-Platz. Dort verband ich mich intensiv mit meinem Schmerz, öffnete mich für die Gefühle der Ohnmacht, der Verzweiflung und der Wut und schrie und schrie und schrie: laut, lange, heftig, schmerzerfüllt – ich schrie immer wieder, bis ich leer wurde und ich spürte in der Herzgegend ein „Frei-werden“. Anschliessend habe ich ein sms an die Familie geschickt und Anteil genommen – mein Herz war weit offen, voller Mitgefühl, aber ohne Leid.

Trauer ist oft nur eine Seite – dahinter verbirgt sich oft auch Wut über das Unabänderliche, das vorgefallen ist – Wut, die bei mir durch Weinen nicht erlöst war….

Ich mache mir verschiedene Gedanken zum meinem Trauer-Prozess. Im Internet suche ich nach Schmerzens-Schreien:

Jetzt erinnere ich mich auch an eine Beerdigung vor 20 Jahren: Es ging um die Beisetzung eines 5 jährigen Mädchens aus einer Familie von Portugiesen und Italienern (meine Nachbarn). Ich war damals ziemlich erstaunt – und auch überfordert – wie lauthals diese südländischen Frauen weinten und klagten. Heute denke ich, es ist das heilsamste was sie in ihrer Tradition tun.
Ja, bei uns ist es nicht üblich zu schreiben – wir sind ja so gut und brav erzogen, immer kontrolliert, still und leise.

Erst im letzten Jahr habe ich in einem Persönlichkeits-Entwicklungs-Seminar „gelernt“ zu schreien: physisch, so richtig laut schreien, ohne heisser zu werden und psychisch, dass ich mir ERLAUBE, mich mit meinen Gefühlen, so laut zu zeigen.

Das was ich erlebt habe, die Art und Weise, wie ich durch einen Heilungsprozess ging, motivieren mich einen ganz speziellen Tages-Workshop anzubieten – lass dich überraschen mit dem nächsten Newsletter.


herzlich grüsst

elisabeth brühwiler
malanserstrasse 15
7307 jenins

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